Adventure sind in den Tagen von schneller 3D-Grafik selten anzutreffen. Neuproduktionen findet man noch seltener. Zeit also, sich auf die alten Werte zu besinnen und sich die Budgetabteilungen der Kaufhäuser zu wagen. Dort findet man hin und…
Adventure sind in den Tagen von schneller 3D-Grafik selten anzutreffen. Neuproduktionen findet man noch seltener. Zeit also, sich auf die alten Werte zu besinnen und sich die Budgetabteilungen der Kaufhäuser zu wagen. Dort findet man hin und wieder echte Rätselperlen. Eine von diesen haben wir heute im Test. Es handelt sich um Gabriel Knight, den Schattenjäger, dem wir schon zweimal aus der Patsche helfen durften.
Gabriel hat es wirklich nicht leicht. So durfte er sich in einem ersten Abenteuer mit bösartigen Hexen anlegen. Kurz darauf verschlug es ihn in den bayrischen Wald, wo wir im zweiten Teil auf Werwolfjagd gehen durften. Beide Vorgänger hielten sich an die Adventuretraditionen und präsentierten sich im damalig populären Grafikgewand. Was jedoch die Gabriel Knight Reihe ausmachte, war stets die Verflechtung von Tatsachen und Fiktion. Alle Abenteuer unseres Helden beruhen zum Teil auf wahren Sagen und Mythen. Auch im dritten Teil wird mit dieser Tradition nicht gebrochen. Gabriel verschlägt es diesmal nach Rennes-le-Château in Frankreich. Diesen Ort umgibt bis heute ein Geheimnis, was irgendwie mit den Tempelrittern zusammenhängen könnte. Damit es dem Spieler nicht langweilig wird, wurde gleich noch eine Vampirgeschichte mit eingeflochten. Das Spiel beginnt aber wesentlich harmloser. Anfangs ist man eigentlich nur auf der Suche nach einem Baby, welches irgendwo entführt wurde. Die Vorgeschichte an sich läßt den Spieler noch sehr im Dunkeln tappen – vielleicht sogar zu sehr. Anfangs weiß der Spieler nämlich gar nicht, was er so richtig tun soll. Mit der Zeit beginnt sich aber ein Bild zu formen, welches den Spieler langsam aber sicher in den Strudel der Ereignisse stürzt.
Wie bereits gesagt, präsentiert sich der dritte Teil der Gabriel Knight Reihe im grafisch aktuellen Outfit, sprich in 3D. Für ein Adventure bringt die dreidimensionale Ansicht immer etliche Probleme mit sich. Der Spieler muß sich gut orientieren können, darf keine Gegenstände übersehen und darf auch nicht unterfordert werden. Gerade das Problem der Orientierung stellt sich in der dritten Dimension massiv. Die Entwickler haben sich hier einen guten Weg ausgedacht. Im Prinzip steuert man nicht die Hauptperson sondern die Kamera. Dies mag auf den ersten Blick verwirrend klingen, funktioniert aber erstaunlich gut. So kann man mit den Richtungspfeilen die Kamera durch den Raum steuern und alles unter die Lupe nehmen. Gabriel wird uns nicht im Weg stehen, denn er wartet artig an seinem Standort und kommt erst in Bewegung, wenn man ein Objekt näher untersucht. Durch diese Art der Steuerung bleibt die Übersicht gewahrt. Eine direkte Steuerung braucht der Spieler auch nicht, denn Gabriel Knight kein Actionadventure. Insgesamt wurde die grafische Gestaltung gut gemacht. In Zeiten der Geforce 3 Beschleuniger ist die Grafik natürlich nicht auf dem neusten Stand, denn das Programm hat ja schon 2 Jahre auf dem virtuellen Buckel. Trotzdem sieht die Grafik sehr ansprechend aus. Gerade die Gesichter und die einzelnen Personen wurden sehr gut in Szene gesetzt. Man erkennt sogar eine gewisse Mimik und Gestik, die einem viel über den Charakter der Personen sagt. Auch die Handlungsorte weisen recht viele Details auf und ähneln ihren realen Vorbildern sehr. Einziger Kritikpunkt in Sachen Grafik sind die etwas zu eckig geratenen Rundungen, die einem des öfteren begegnen. Hier seien beispielsweise die Reifen der Motorräder und die Fontäne des Brunnens erwähnt. Ansonsten bekommt man aber in Sachen Grafik ein gut in Szene gesetztes Abenteuerspiel.
Damit nicht nur die Augen verwöhnt werden, wurde auch auf die akustische Untermalung viel Wert gelegt. Alle Dialoge werden komplett gesprochen. Auf Wunsch kann man sich auch Untertitel einblenden lassen, doch würde auf so natürlich die vielen langen Gespräche verpassen. Auch hier wurde viel Wert auf unterschiedliche Stimmen und Charakter gelegt. Es ist allerdings teilweise verwunderlich, wenn selbst Franzosen leicht verschiedene Akzente haben. Dem Genuß tut das allerdings keinen Abbruch, den atmosphärisch bleibt auch hier Gabriel Knight auf einem hohen Level. Damit der Spaß auch nicht im Spiel vorbei geht, wurde die Steuerung recht einfach gehalten. Wie bereits erwähnt, steuert man in erster Linie die Kamera. Findet man einen interessanten Gegenstand, klickt man auf diesen und erhält alle Interaktionsmöglichkeiten, die man mit diesem Objekt hat. An wichtigen Orten verfärbt sich der Cursor, so daß man auch kleine Details nicht übersieht. Ähnlich verlaufen auch die Gespräche. Nach einem Klick auf den Gesprächspartner, erhält man verschiedenen Themen, die man ansprechen kann und über die es sich lohnt zu reden. Hat ein Gesprächspartner nichts zu sagen, wird man also auch nicht die Chance haben, mit ihm zu reden. So vermeiden die Hersteller Endlosdialoge, in denen keine wirkliche Neuerung zu finden ist.
Die Handlung von Gabriel Knight wird in mehreren Kapiteln erzählt. Insgesamt stehen dem Spieler drei Spieltage zur Verfügung, in denen das Rätsel gelöst werden muß. Ein Kapitel entspricht beispielsweise Tag 1 12 – 14 Uhr. Aber keine Angst, das nächste Kapitel beginnt erst, wenn man alle wichtigen Aufgaben erfüllt hat, auch wenn es länger als zwei Stunden dauert. Dies ist auch wichtig, denn die Rätsel sind teilweise nicht leicht. Da Adventurefreunde in letzter Zeit wenig neue Ware bekommen haben, wird man einige Zeit brauchen, bis man wieder richtig auf Touren ist und auch die kniffligsten Rätsel löst. Insgesamt sind die Rätsel relativ logisch und lassen sich mit etwas gesundem Menschenverstand lösen. Oft reicht ein genaues Schauen auf die Persönlichkeit der Figuren, um eine Lösung zu finden. Alternative Lösungswege gibt es leider nicht. Wer also beispielsweise eine Miez von der Mauer jagen will, braucht eine Sprühflasche mit Wasser. Einen Becher am Brunnen aufzufüllen und nach dem armen Vieh zu werfen funktioniert leider nicht. Dies wäre ein sehr wichtiger Punkt, der in einem hoffentlich folgenden vierten Abenteuer berücksichtigt werden sollte. Etwas Kritik muß am Schluß allerdings noch angebracht werden. Das beiliegende Handbuch umfaßt gerade mal acht Seiten und hätte entweder ausführlicher oder gar nicht beigelegt werden sollen. Der Rest des Handbuches ist auf der CD zu finden und liegt dort im vollen Umfang vor. Auch ein Comic mit großen Teilen der Vorgeschichte befindet sich auf der CD. Leider wird weder in der knappen Vorgeschichte im (CD)-Handbuch noch irgendwo anders auf diesen wichtigen Teil der Vorgeschichte hingewiesen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlerhafte Installationsdatei. Diese „vergißt“ nämlich in allen drei verfügbaren
Installationsmöglichkeiten die Intro-Datei zu kopieren. Die Folge ist ein Fehler beim Start, der auf einen Installationsfehler hinweist. Erst ein manuelles Kopieren der Datei läßt den Spieler in den Genuß des Intros kommen. Insgesamt sind die Kritikpunkte aber eher ärgerlich und lassen sich nach einigem Frust beheben. Was bleibt ist ein spannendes Adventure in schöner 3D Grafik. Alle Adventurefreunde, die sich für okkulte Sachen interessieren sollten sich Gabriel Knight 3 schnellstens zulegen und das Rätsel von Rennes-le-Château lösen.
Fazit
Gabriel Knight ist zurück und er entführt uns wieder in eine wunderbare Welt zwischen realistischen Begebenheiten und fiktiven Erzählungen. Gerade in dieser adventurearmen Zeit kann man sich eigentlich nur über diese Budgetversion freuen und auf einen weiteren Teil der Serie hoffen.
Systemanforderungen
Systemangaben: Rechner mit 500Mhz, 128 MB Ram, 3D Karte, 405 MB Festplattenspeicher
Voraussetzungen: Rechner mit 200Mhz, 32 MB Ram, 138MB Festplattenspeicher, 3D Karte