Weibliche Helden gibt es in PC-Spielen leider selten. Die wenigen, die doch durch die Gegend hüpfen, schießen, fliegen oder was auch immer, protzen meist mit vielen weiblichen Reizen und ab und an auch mit einer guten Spielbarkeit. Kitty Hawk…
Weibliche Helden gibt es in PC-Spielen leider selten. Die wenigen, die doch durch die Gegend hüpfen, schießen, fliegen oder was auch immer, protzen meist mit vielen weiblichen Reizen und ab und an auch mit einer guten Spielbarkeit. Kitty Hawk reiht sich nun zu Lula, Lara, Julie und den anderen ein. Ob sie zu höheren Weihen gelangt, werden wir in den folgenden Zeilen verraten.
Wer ist Kitty Hawk eigentlich und was muß man mit der guten Frau alles durchmachen? Diese Frage werden sich begeisterte Spieler schnell stellen. Unsere gute Kitty fliegt gerade so in ihrem Kampfhubschrauber durch die Gegend, als dieser über einer Insel angegriffen wird. Obwohl die Beste wohl einige Erfahrung mit dem Teil hat, stürzt er über der Insel ab und nur unser gute Kitty überlebt diesen gar schrecklichen Unfall. Wer jetzt an eine Handlung wie im Film „Verschollen“ glaubt, wird enttäuscht. Die Insel ist nämlich gar nicht so unbewohnt. Dort treiben wieder einmal böse Militärs mit ganz bösen Plänen ihr Unheil. Im Laufe der Story hört man von Experimenten, die mit Menschen auf dieser Insel gemacht werden. Von einem unverbrauchten Szenario kann man also wirklich nicht sprechen. Die Story ala Insel mit verrückten Militärs und Wissenschaftlern gab es schon in den Filmen der 70er. Um so leichter fällt es dem Spieler natürlich, die Aufgabe herauszufinden. Natürlich müssen wir den ganzen Kram wieder verhindern und keiner wird uns helfen. Alle Spieler, die sich jetzt auf einen zünftigen Egoshooter freuen, werden allerdings enttäuscht. Denn so banal die Story klingen mag, der Spielablauf verläuft etwas unerwartet.
In K.Hawk geht es nämlich nicht darum, möglichst viele Gegner zu töten, nein, vorsichtiges Umherschleichen ist angesagt. Man kann das Spiel also eher als einen Mix aus Tomb Raider und Commandos betrachten. Von Tomb Raider wurde die Spielperspektive übernommen, von Commandos das Spielprinzip. Wie soll man sich das nun vorstellen? Auf dem Spielbildschirm hat man ständig einen Blick auf das EPU, ein Werkzeug, das einem anzeigt, wo Wachen patrouillieren und welchen Bereich sie einsehen können. Auch die Sichtwinkel von Überwachungskameras, die Lärmentwicklung sowie den Hörradius kann man dort ablesen. Was jetzt furchtbar kompliziert klingt, geht in der Praxis schnell in Fleisch und Blut über. Kitty ist den größten Teil des Spiels schleichend unterwegs, nur selten darf sie mal rennen und die Waffen sprechen lassen. Wie bereits angesprochen läßt das Spielprinzip Vergleiche zu Commandos und Tomb Raider zu. Im direkten Vergleich zu Tomb Raider zieht Kitty den kürzeren, denn das Bewegungsspektrum unserer Heldin ist doch sehr eingeschränkt. Nicht mal für einen Sprung reicht es. Auch fehlt es unserer Heldin etwas an Charakter. Leider sagt Kitty nur selten etwas, so daß eine Identifizierung mit der Hauptperson lange ausbleibt. Setzt man K.Hawk in den Vergleich zu Commandos, verliert sie leider wieder, denn die taktischen Möglichkeiten sind viel zu eingeschränkt. Im Großen und Ganzen beschränkt sich das Spielprinzip auf das Umgehen der Wachleute und das Finden des Weges. Etwas mehr Vielfalt und taktische Freiheit hätten dem Spiel sehr gut getan.
Grafisch bietet K.Hawk solides, aber nichts überwältigendes. Gerade im Zeitalter der Geforce 3 und 4 Karten ist das Auge einfach zu verwöhnt, um bei K.Hawk noch in Staunen zu versinken. Das soll auf keinen Fall heißen, daß die Grafik schlecht ist. Sie ist gut, überwältigt aber niemanden. Auch hier hätte dem Spiel etwas mehr gut getan. Positiv hervorzuheben ist, daß das Inselflair recht gut eingefangen wurde. Höhepunkte sind auf jeden Fall die Freiluftlevel, von denen es glücklicherweise einige gibt. In den Gebäuden trifft man dann aber immer öfter auf sehr eckige Strukturen und sterile Orte. Nicht anders verhält es sich mit der Akustik. Sie ist gut, aber nicht überwältigend. So hätte beispielsweise der Ausbau der Dialoge dem Spiel sehr gut getan und hätte dafür gesorgt, daß die Heldin etwas mehr Profil erhält. So sagt unsere Kitty beispielsweise im gesamten Tutorial kein Wort, obwohl sie von ihrem Ausbilder recht hart rangenommen wird. Die restliche akustische Umsetzung ist eher unauffällig und unterstützt den Spielablauf, ohne Höhenflüge zu erreichen.
Gut gelungen ist die Steuerung, obgleich auch hier wieder etwas mehr gut gewesen wäre. Ansonsten geht die Steuerung aber problemlos von der Hand, alle Tasten sind frei belegbar und Kitty reagiert sehr gut auf die gegebenen Anweisungen. Gesteuert wird das Spiel mittels einer Kombination aus Maus und Tastatur. Tomb Raider Spieler werden sich hier sehr schnell zu Hause fühlen. Aber auch Anfänger werden sehr gut durch das Tutorial an die Steuerung herangeführt. Auch bereits erwähntes EPU leistet gute Dienste, auch wenn es gerade in den ersten Spielminuten ab und an ausfällt, was Anfänger etwas verwirren dürfte. Durch diese (geplante) Funktionsstörung steigt in den ersten Minuten der Schwierigkeitsgrad ziemlich an. Gelegenheitsspieler und Profis sollten mit K.Hawk aber keine Probleme haben, denn das Spiel bleibt größtenteils fair. Außerdem ist es jederzeit möglich, den Spielstand via Quicksave abzuspeichern. So haben auch Anfänger gute Chancen, schnelle Erfolge zu erzielen.
Damit aber auch Profis nicht langweilig wird, hat unsere Kitty viele verschiedene Aufträge zu erledigen. So muß erstmal die Heimatbasis verständigt werden, dann ein Raketenwerfer ausgeschaltet werden usw. Durch das ständige Versteckspiel entwickelt der Spieler mit der Zeit schon etwas Verfolgungswahn, was sich positiv auf den Gesamteindruck des Spiels auswirkt. Genauso abwechslungsreich wie die Missionen sind die Waffen, die Kitty im Verlauf des Spiels findet. Im Gegensatz zu vielen männlichen Kollegen darf unsere Heldin aber nicht unbegrenzt Waffen mitnehmen. Eine Pistole und ein Gewehr sind das Maximum. Hier liegt es also an der persönlichen Spielweise (und der vorhandenen Munition) wie man sich ausrüstet. Alle Waffen und die Funktion des EPU sind im Handbuch gut beschrieben. Auch gibt es dort einen kurzen Abriß der Vorgeschichte, der auf das kommende Spiel einstimmt.
Fazit
K.Hawk hätte das Zeug zu einem Topspiel gehabt, hätte es von allem etwas mehr gehabt. Etwas mehr Grafik, etwas mehr Seele, etwas mehr Vielfalt. Gerade das Spielprinzip wurde noch nie so umgesetzt und macht eigentlich richtig Spaß. Es gibt keine unfairen Stellen, die Story ist nicht neu, wurde aber gut umgesetzt, Kitty könnte sicher richtig sympathisch seien, würde man sie im Spiel auch richtig kennenlernen. Das sind aber alles Punkte, die sich negativ auf das Spielerlebnis auswirken. Trotzdem ist K.Hawk ein schönes Spiel für Fans von Tomb Raider und Commandos.
Systemanforderungen
Systemangaben: CPU mit 800 MHz, 256 MB RAM, 800 MB freier Festplattenspeicher, 3D-Grafikkarte
Voraussetzungen: CPU mit min. 500 MHz, 128 MB RAM, 500 MB freier Festplattenspeicher, 3D-Grafikkarte