Sie kennen Kleopatra nur als Duschgel und Ramses nur als den Hund ihres Nachbarn? Dann sollten sie auf jeden Fall weiterlesen. Sie denken sofort an Pyramiden, Hieroglyphen und viel Sand? Schon besser, aber auch hier sollten Sie am Ball bleiben.…
Genre
Aufbaustrategie
Hersteller
Sierra
Autor
Matthias Jentsch
Veröffentlicht
08.05.2001
Spieler
1
Altersfreigabe (Altangabe)
3
Aufrufe
11
Sie kennen Kleopatra nur als Duschgel und Ramses nur als den Hund ihres Nachbarn? Dann sollten sie auf jeden Fall weiterlesen. Sie denken sofort an Pyramiden, Hieroglyphen und viel Sand? Schon besser, aber auch hier sollten Sie am Ball bleiben. Sie lieben Aufbauspiele und verwalten gerne Städte und ganze Zivilisationen? Dann führt an diesem Test kein Weg vorbei.
Willkommen im alten Ägypten. Pharao ist ein weiterer Teil der bekannten Caesar-Reihe. Dies gilt zumindest für das grundlegende Spielprinzip, denn wenn man ins Detail schaut, entdeckt man viele Weiterentwicklungen und Abwandlungen, die sehr gut an das ägyptische Szenario angepaßt wurden. Das Hauptprogramm erschien Ende 1999, die Erweiterung knapp ein Jahr später. In der Gold-Version sind nun beide Teile enthalten und garantieren Aufbauspaß auf lange Zeit. Wir beginnen als kleiner Stadthalter, welcher im Dienste des Pharao immer neue Aufgaben gestellt bekommt und so die Karriereleiter immer weiter nach oben klettert. Die Aufgaben, die zu bewältigen sind, werden immer anspruchsvoller, haben aber immer etwas mit dem Aufbau einer Stadt und dem Schaffen einer guten Infrastruktur zu tun. Grafisch betrachten wir unsere kleine Welt aus einer isometrischen Ansicht. Auf dem neusten Stand ist diese Sicht in Zeiten eines „Black&White“ natürlich nicht, sie erfüllt aber auf jeden Fall ihren Zweck gut. Die restlichen Grafikobjekte wie Häuser, Menschen, Schiffe usw. sind sehr detailliert und schön gestaltet und wirken auch nach längerer Spieldauer nicht langweilig. Ab und an bekommt der Spieler auch eine Videosequenz zu sehen, welche allerdings sehr klein ausgefallen ist. Abgesehen von dieser Einschränkung sind aber auch diese Szenen sehr liebevoll gestaltet.
Zur knuddeligen, wenn auch etwas überholten Grafik, gesellt sich eine sehr stimmungsvolle Geräuschkulisse. Orientalische Musik erklingt, man hört die Geräusche seiner arbeitenden Untertanen und kann sich auf Wunsch auch den Kommentar jedes einzelnen Bürgers anhören. Die Hintergrundmusik ist nicht aufdringlich und beruhigt den Spieler auf Dauer etwas. Diese Beruhigung ist auch notwendig, denn in den entstehenden Riesenstädten kann man auch schnell mal den Überblick verlieren und in leichte Hektik verfallen. Glücklicherweise funktioniert die Steuerung fast tadellos. Mit einigen Klicks sind Wohngebiete, Gewerbestellen, Häfen, Felder und Docks schnell erstellt. Über einen weiteren Button erhält man Zugriff auf verschiedene Problemkarten und kann so schnell feststellen, wo Verbesserungen in der Stadtstruktur angebracht sind. Ebenso schnell kann man die Handelsprioritäten festlegen und Waren exportieren oder importieren. Einzig und allein die Steuerung der Armee kann ab und an zu Problemen führen. So ist es teilweise schwierig, die Soldaten davon zu überzeugen ein Schiff zu besteigen, wenn sie gerade irgendein Krokodil mit Pfeilen beschießen. Wegen eben diesem Krokodil lassen sie auch mal die Feinde links liegen, auch wenn diese in der Zwischenzeit die Siedlung in Schutt und Asche verwandeln. Diese Aussetzer sind aber selten und stören somit den Spielablauf auch nur selten. Insgesamt klappt die Steuerung aber problemlos.
Hervorzuheben sind besonders oben erwähnte Problemkarten. Diese helfen einem auch in großen Siedlungen meist, Problemgebiete zu erkennen und entsprechend zu bearbeiten. Bei dem steigenden Schwierigkeitsgrad ist ein schneller Zugriff auf diese Funktion allerdings auch nötig. Anfangs hat man seine Siedlung noch recht gut im Griff. Später wird das Stadtmanagement allerdings so komplex, daß man über jedes Hilfsmittel froh ist. Da müssen beispielsweise auf der einen Seite Nahrungsmittel, Ton, Stroh und Holz importiert werden, während man Bier und Tuch verkauft. Parallel erstellt man Ziegel, baut Monumente, kümmert sich um Medizin, Versorgung mit Essen und Wasser und eine ganze gegnerische Armee. Hier wird deutlich, daß man sehr schnell in Panik geraten kann, zumal man ab und an auch noch Forderungen vom Pharao bekommt, welche den sorgsam aufgebauten Plan schnell durcheinander wirbeln können. Da die Schwierigkeit der Level langsam ansteigt, haben aber auch Anfänger die Chance, sich schnell zurechtzufinden und in höhere Level vorzudringen. Die Missionen an sich sind sehr abwechslungsreich gestaltet. So muß man einmal verschiedene Monumente bauen, einmal nur bestimmte Rohstoffe liefern und im nächsten Level einen gegnerische Armee abwehren. Ab und an muß man allerdings auch alle Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Leider wird bei diesen Missionen auch ein Schwachpunkt deutlich. Einige Level ziehen sich sehr in die Länge. So dauert der Bau von Monumenten in der Regel sehr lange. Wenn man dann gleich drei davon bauen soll, kann man schon mit ca. 5 Spielstunden (und mehr) für einen Level rechnen.
Ein weiterer Schwachpunkt sind die teilweise etwas unklaren Problemmeldungen. So bekommt man schon mal eine Seuchenmeldung, kann aber die Ursache partout nicht finden, da man eigentlich alle Vorbeugungsmaßnahmen getroffen hat. Aber auch bei diesen Problemen handelt es sich um Einzelfälle, die auf lange Sicht kaum ins Gewicht fallen. Ein Wort noch zu den militärischen Möglichkeiten. Man kann verschiedene Wasser- und Landtruppen entwickeln. Diese werden auf Drillplätzen ausgebildet und dann in Forts bereitgestellt. Wenn sich eine feindliche Armee nähert, kann man die Truppen auf die bösen Feinde hetzen. Leider hat man nicht die Möglichkeit, andere Städte anzugreifen. Die militärischen Aktionen beschränken sich auf Verteidigung der eigenen Stadt und das Entsenden zu befreundeten Städten. Da man aber mit dem Stadtmanagement genug zu tun hat, ist dies auch gut so.
Bei der Goldversion von Pharao liegt kein gedrucktes Handbuch bei. Es befindet sich auf der CD und liegt im PDF-Format vor. Dies ist sehr bedauerlich, da man sonst viel öfter mal nach Hilfen und Hinweisen schauen könnte. Pharao besitzt zur Not aber auch immer noch eine Onlinehilfe, die einem auch während des Spiels viele Tips gibt. Einen letzten großen Pluspunkt sollte man noch hervorheben: Die geschichtlichen Daten und Informationen wurden sehr gut recherchiert und spiegeln den momentanen Stand der Wissenschaft wieder. Man bekommt so einen sehr guten Überblick über die damalige Zeit und merkt bald, daß Nachbars Bello doch nichts mit Ramses zu tun hat.
Fazit
Insgesamt macht Pharao trotz seines Alters immer noch einen guten Eindruck. Das Spielprinzip fesselt einen auf Dauer. Auch wenn die Grafik überholt ist und einige kleine Nervdetails die Freude trüben, bekommt man viel Spaß im Doppelpack. Gerade Freunde von komplexem Management werden ihre wahre Freude haben.
Systemanforderungen & Support
Nein
Systemanforderungen
Systemangaben: Pentium II mit 300 MHz, 64 MB Ram, 24 fach CD-ROM LW
Voraussetzungen: Pentium mit 166 MHz, 32 MB Ram, 4 fach CD-ROM LW