Vor langer Zeit waren Autos noch Autos und Männer noch Männer. ABS, Antischlupfregelung und elektrische Fensterheber brauchte der Mann von damals nicht. Ja, das waren noch Zeiten, wo man jede Unebenheit der Straße im Hinterteil spürte. Willkommen…
Vor langer Zeit waren Autos noch Autos und Männer noch Männer. ABS, Antischlupfregelung und elektrische Fensterheber brauchte der Mann von damals nicht. Ja, das waren noch Zeiten, wo man jede Unebenheit der Straße im Hinterteil spürte. Willkommen in Rally Trophy, wo diese Träume wieder Wirklichkeit werden.
Rallyspiele gibt es für den PC viele. Leider schaffen nur wenige den Sprung an die Spitze. Bisher waren die Spieler fast ausschließlich auf Colin Mcrae Rally fixiert. Die Softwareschmiede Bugbear greift Codemasters nun auf dem Gebiet der Rally an. Und dieser Angriff hat sogar Erfolg, denn Bugbear kopiert nicht einfach vom Spitzenreiter, sondern setzt den Rallysport einfach um ein paar Jahre zurück. Dem Spieler wird das spätestens bei seiner ersten Fahrt auffallen, denn Autos wie Fiat 600 Abarth oder der Lancia Fulvia steuert sich um etliches schwieriger als moderne Rallyfahrzeuge. Anfänger finden sich also anfangs sicher recht oft im Gebüsch wieder. Damit aber auch diesen Spielern das Spiel gefällt, wurde besonderer Wert auf die Grafiken gelegt. Die Welt von Rally Trophy sieht nicht nur gut aus, sie wirkt auch sehr räumlich. Hinzu kommen etliche grafische Prachtstücke, die der Profifahrer wohl nur selten zu sehen bekommt. So spiegeln sich Bäume im Wasser, Staub wirbelt hinter den Wagen auf und Tiere überqueren die Fahrbahn. Auch die Wagen an sich wurden sehr gut dargestellt. Alle ähneln ihren Vorbildern sehr und lassen Wiedersehensfreude aufkommen. Sehr schön ist auch, daß alle Fahrzeuge ein realistisches Schadensmodell besitzen und alle Deformierungen am Fahrzeug sichtbar sind. Fährt man also frontal gegen einen Baum, so ist nun dort eine tiefe Delle, die erst am nächsten Reparaturstand wieder ausgebessert werden kann.
Auch akustisch überzeugt Rally Trophy auf der ganzen Strecke. Sprachausgabe und Hintergrundmusik sind gut verständlich und nerven auch nach langer Zeit nicht. Auch die Motorengeräusche der Fahrzeuge klingen richtig gut und sorgen für Stimmung am heimischen PC. Damit die Stimmung damit nicht aufhört, wurde auch auf eine gute Steuerung geachtet. Lenkräder werden unterstützt und leisten hervorragende Dienste. Aber auch Tastaturpiloten haben sehr gute Chancen, mit etwas Übung auf den, vorderen Plätzen zu landen. Ein einziges Manko weist die Steuerung allerdings auf.
Wie in Rallys üblich gibt der Beifahrer Anweisungen, wo die Strecke entlang geht. Gut verständlich sind die Anweisungen zwar, doch vergißt unser Kopilot uns leider zu sagen, wann diese Kurve kommt. So fährt man beispielsweise auf eine Bergkuppe zu und erfährt vom Nebenmann „Links 4“. So weit so gut. Es kommt also bald eine scharfe Linkskurve. Ob diese allerdings gleich nach der Kuppe kommt oder erst in 200 Meter Entfernung, erfährt man nicht. Dies weiß man erst, wenn man mit Volldampf in die Bäume segelt. Hier hätten die Entwickler noch etwas mehr Sorgfalt hätten walten lassen müssen. Dies ist aber auch das einzige Manko welches auffällt.
Positiv hervorzuheben ist, daß die Dynamik der alten Fahrzeuge gut in das Spiel integriert wurde. Die Entwickler haben das Spagat zwischen Realismus und Spielbarkeit sehr gut hinbekommen. Das bedeutet aber auf keinen Fall, daß die Steuerung einfach wäre. Gerade Anfänger werden mit den Wagen ihre liebe Not haben. Erst nach vielen Übungen bekommt man ein Gefühl für die schweren Wagen und kann mit ihnen gut durch die Kurven driften. Nach jedem Abschnitt bekommt man eine Auflistung der Zwischenzeiten und kann so genau ermitteln, wo die eigenen Schwachpunkte liegen. Dies ist ein großer Vorteil von Rally Trophy, denn der Spieler hat keine übermächtigen Gegner sondern weiß immer ganz genau, wo die Sekunden verschwunden sind. Um es den Spielern nicht zu einfach zu machen, kann man anfangs nur die Rallye in Rußland spielen. Erst wenn man sich dort unter den ersten sechs plaziert hat, lernt man auch die anderen Strecken kennen. Auffällig ist, daß die Rußlandrallye zu den anspruchsvollsten Strecken gehört. Wer also in Rußland sechster ist, wird in Kenia kaum Probleme haben. In Rallye Trophy gibt es drei Schwierigkeitsgrade, von denen anfangs nur zwei zugänglich sind. Der Expertenmodus wird erst nach einer erfolgreichen Fahrt im Erfahrenenmodus freigeschaltet.
Neben diesem Modus warten noch Spezialfahrzeuge und Strecken auf ihre Entdeckung. Neben der eigentlichen Rallye existiert auch eine Arcadevariante, bei der man mit sechs Gegnern über Rundkurse fährt. Die Gegner stellen sich auch hier recht schlau an, sind aber eher passiv. In diesem Modus nehmen die Wagen keinen Schaden. Daher ist es für Anfänger günstiger, sich hier mit dem Spiel vertraut zu machen. Neben der Meisterschaft ist es in beiden Modi auch möglich, Einzel- oder Zeitrennen zu fahren. Aber egal welchen Modus man wählt, man hat alle Hände voll zu tun. Insgesamt warten 42 Streckenabschnitte auf den angehenden Rallyeprofi. Richtig schwer wird es aber erst in der Schweiz, wenn man in Haarnadelkurven um die besten Zeiten kämpft. Während der Meisterschaften ist es nach jeweils zwei Streckenabschnitten möglich, den Spielstand zu speichern. In der vorliegenden Version funktioniert diese Option leider nicht. Das Programm verabschiedet sich hier mit einer Fehlermeldung. Dies scheint aber nicht bei allen Exemplaren der Fall zu sein, wie eine Recherche im Internet ergab. Im Anschluß an diesen Test, wird für alle Betroffenen eine einfache Problemlösung dargestellt. Aber zurück zum Inhalt, denn Rally Trophy hat noch einiges zu bieten.
Vor der Rallye und an den Zwischenstops kann das Wagen getunt und repariert werden. Das Tuning gestaltet sich auch für Anfänger leicht und zeigt echte Auswirkungen auf der Strecke. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings noch, denn Straßenbeläge wie Schnee, Match und Regen haben zwar Auswirkungen auf das Fahrverhalten, könnten aber intensiver sein. Wenn der Wagen durch Tiefschnee genauso schnell wie durch Gras fährt, kommen diese Mankos deutlich zum Tragen. Ein weiteres Problem ist, daß es für Anfänger keine Fahrschule gibt, wo sie den korrekten Umgang mit dem Wagen lernen. Das Handbuch beschreibt zwar grob die Technik des Driftens, gibt aber Anfängern zu wenig Hinweise. Aber auch diese Fakten ändern nichts am Gesamteindruck. Rally Trophy ist ein klasse Spiel und motiviert auf lange Zeit. Anfänger sollten allerdings etwas Geduld mitbringen, werden dann aber auch Erfolge feiern.
Fazit
Rally Trophy macht Colin McRae Rally echte Konkurrenz. Das Spiel motiviert dank der älteren Fahrzeuge lange Zeit. Die Strecken sind abwechslungsreich und spannend. Echten Profis werden zwar Strecken wie in der Schweiz fehlen, aber anderen Spielern mit Rallyerfahrung wird Rally Trophy aber viele Stunden viel Spaß bescheren.
Systemanforderungen
Systemangaben: Rechner mit 1 Ghz, 128 MB Ram, 585 MB Festplattenspeicher, 3 D Karte (64 MB), Lenkrad
Voraussetzungen: Rechner mit 500Mhz, 64 MB Ram, 585 MB Festplattenspeicher, 3D Karte